Egal, was an Weihnachten gefeiert wird: An diesen Tagen wurden auch Meilensteine der europäischen Geschichte gelegt – zum Beispiel durch einen folgenreichen Schiffbruch.
25. Dezember 800: Der Frankenkönig Karl der Große wird in Rom, in der Peterskirche, von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt. Erstmals seit dem Ende des weströmischen Reiches trug damit wieder ein Herrscher den Titel und die Krone des einstigen Weltreichs. Nur war es kein Römer mehr, sondern ein Franke, ein Angehöriger jener germanischen Ethnien, die auf dem Boden des antiken Imperiums eigene Reiche gegründet hatten. Doch Rom und seine Kultur blieben ein Ideal, dem es nachzueifern galt. Zu sehen ist das zum Beispiel im Aachener Dom, einem Welterbe der UNESCO. Hier, in der Kapelle seiner Lieblingspfalz, ließ Kaiser Karl römische Säulen verarbeiten. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts marschierten fast alle fränkischen und später deutschen Könige nach Rom, um sich angesichts ihrer militärischen Präsenz die Kaiserkrone aufs Haupt setzen zu lassen.

25. Dezember 1066: Wieder markiert eine Krönung einen Umbruch in Europas Geschichte. Dieses Mal ist es Wilhelm der Eroberer. Seine Krönung in der Westminster Abtei in London besiegelt die normannische Eroberung Englands. Wilhelm hatte die britische Insel von seinem Herzogtum auf dem französischen Festland aus angegriffen. Mit seinem Sieg in der Schlacht bei Hastings begann eine neue Zeit in England. Französisch-normannische Ausdrücke durchmischten die angelsächsische Sprache, zum Beispiel „court“ und „justice“ für „Hof“ und „Gerechtigkeit“. Die Normannen brachten außerdem ihr hoch entwickeltes Verwaltungssystem mit, inklusive neuer Steuern. Um diese berechnen und Land neu zu verteilen zu können, ließ Wilhelm der Eroberer ein umfassendes Grundbuch anlegen: Das „Domesday Book“ ist ein für seine Zeit einzigartiges Verzeichnis.

25. Dezember 1492: Die „Santa Maria“, das Flaggschiff von Christoph Kolumbus, läuft auf einer Sandbank vor Hispaniola auf Grund. Die Besatzung errichtet aus den Überresten des Schiffes eine Siedlung an Land und tauft diese „La Navidad“, nach dem spanischen Wort für „Weihnachten“. Zuvor hatte Kolumbus bereits eine andere Insel erreicht, bei denen es sich vermutlich um die Bahamas handelte. Mit der Entdeckung des amerikanischen Kontinents in der Neuzeit brach für die Europäer ein neues Zeitalter an. Der Einschnitt wird als so gravierend angesehen, dass Historiker mit ihm die Epoche des Mittelalters enden lassen. Spanier, später Niederländer und Engländer errichteten Kolonien in Nord- und Südamerika. Von dort exportierten sie Goldschätze und neue Lebensmittel wie Kartoffeln, Tomaten, Kakao und Tabak in ihrer Heimat. Den ursprünglichen Einwohnern brachten sie im Gegenzug Unterdrückung und Krankheiten. Der Überseehandel wurde nur profitabel durch den Ausbau des Sklavenhandels.

24. Dezember 1799: Nach den Wirren der Französischen Revolution trat in Frankreich eine neue Verfassung in Kraft. Sie gewährte dem Ersten Konsul Napoleon Bonaparte so viele Rechte, dass er faktisch allein herrschte. Mit dem Beginn seiner Diktatur endet die zehn Jahre zuvor begonnene Revolution und deren Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Zwar rettete Napoleon in seinem Gesetzesbuch „Code Civil“ einige Grundsätze wie die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, den Schutz des Privateigentums, die Trennung von Kirche und Staat. Auf der anderen Seite unterdrückte er jedwede Opposition und ließ politische Gegner verhaften. Und er überzog Europa bis zu seiner Niederlage bei Waterloo (1815) mit Kriegen, denen nach Schätzungen zwischen drei und sieben Millionen Menschen zum Opfer fielen. Nach Napoleons Verbannung ordneten die siegreichen Großmächte Österreich, Preußen, Russland und Großbritannien zusammen mit Frankreich Europa neu. Bis 1914 gab es danach keinen europaweiten Krieg mehr.

24. Dezember 1914: Nur wenige Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatten sich Briten und Franzosen sowie Deutsche in mörderischen Stellungskriegen verfangen. Statt Weihnachten wieder zu Hause zu sein, lebten die Männer in einem Horrorszenario. Dann trudelten im Dezember auf beiden Seiten der Schützengräben die ersten Geschenkpäckchen aus der Heimat ein. Unter den abgekämpften Männern herrschte ein Bedürfnis nach einem Moment der Ruhe und des Friedens. Und auf einmal kletterten an verschiedenen Stellen entlang der Frontlinie verfeindete Soldaten aus ihren Gräben und verbrüderten sich. Zwischen Le Gheer und Le Touquet soll es sogar zu einem Fußballspiel zwischen Engländern und Deutschen gekommen sein. Andernorts einigten sich beide Parteien auf eine Waffenruhe, um ihre Toten bergen zu können. Weihnachtslieder wurden zum Eisbrecher und gemeinsam gesungen, zumal viele deutsche und englische Weihnachtslieder verwandt sind. Das „Weihnachtswunder“ im erste Jahr des Ersten Weltkriegs sollte sich in dieser Form nicht wiederholen.
25. Dezember 1991: Michail Gorbatschow tritt von seinem Amt als Staatspräsident der Sowjetunion (UdSSR) zurück. Einen Tag später wird das Staatsgebilde aufgelöst. Damit endet der Kalte Krieg, der Europa gefangen hielt, seitdem der US-Präsident Harry S. Truman 1947 die nach ihm benannte Doktrin verkündet hatte. Darin versprach er, jenen Völkern beizustehen, die sich der Unterwerfung durch den Kommunismus – gemeint war die Sowjetunion – widersetzen wollten. Die Spirale von Misstrauen, Wettrüsten und Drohszenarien endeten erst, als Michail Gorbatschow, neuer Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, seinem Land einen Umbau (Perestroika) nach dem Grundsatz der Offenheit (Glasnost) versprach. Die folgende Annäherung an die USA bereitete den Boden für gegenseitige Abrüstung und schließlich für die Wiedervereinigung von BRD und DDR. Der Zerfall der UdSSR stand allerdings nicht auf Gorbatschows Plan.